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Teile und herrsche: Wie Uber und Bolt die Taxibranche zersplittern

Was nach Marktwettbewerb aussieht, ist in Wahrheit ein langfristiges Spiel der Zersplitterung – und die Plattformen gewinnen.
Frisch zurück vom Jahrestreffen der European Radio Taxi Association (ERTA) in Amsterdam ist eines schmerzlich klar: Europas Taxi- und Mietwagensektor (Private Hire Vehicles, PHV) ist nach wie vor zersplittert – und diese Zersplitterung ist kein Zufall. Uber und Bolt sind nicht bloß Wettbewerber; sie sind Taktiker, die die altbewährte Strategie „Teile und herrsche“ einsetzen, um ihre Vormachtstellung auf dem ganzen Kontinent zu zementieren.
Was bei der ERTA immer wieder zur Sprache kam (wenn auch selten mit der nötigen Dringlichkeit): Die größte Bedrohung der Branche ist nicht nur technologischer Natur. Es ist die strukturelle Uneinigkeit, verstärkt durch den Generationswechsel, internes Misstrauen und das chronische Fehlen einer abgestimmten Strategie.
Ein kalkulierter Keil zwischen Taxis und Mietwagen
In einer Stadt nach der anderen nutzen Uber und Bolt regulatorische Grauzonen, um etablierte Betreiber gegeneinander auszuspielen. Taxis, die an strengere Regeln und historisch gewachsene Servicestandards gebunden sind, sehen zu, wie Mietwagenunternehmen mit Plattformanreizen und niedrigeren Compliance-Kosten gelockt werden. Mietwagenunternehmen wiederum ärgern sich oft darüber, als Feindbild dargestellt zu werden, während sie in einem hart umkämpften Umfeld ums Überleben kämpfen.
Diese Spaltung – gezielt angeheizt durch selektive Partnerschaften, Kampfpreise und politisches Lobbying – verhindert, dass ein geschlossener Block entsteht, der faire Regeln, tragfähige Margen oder digitale Unabhängigkeit aushandeln könnte.
München: Spaltung in Echtzeit
Ein eindrückliches Beispiel für diese Dynamik spielt sich in München ab, wo die Taxi München eG, einst eine der mächtigsten Taxigenossenschaften Europas, unter internem Druck zerbricht. Wie Taxi Times berichtete, ringt die Organisation mit existenziellen Fragen zu Ausrichtung, Identität und der Zusammenarbeit mit Plattformen.
Während die Betreiber darüber streiten, ob sie das Uber/Bolt-Modell annehmen oder sich ihm widersetzen sollen, bauen die Plattformen still und leise ihren Zugriff auf Nachfrage und Angebot aus. Das ist „Teile und herrsche“ in Echtzeit – in einer der wohlhabendsten Städte Europas.
Vereinnahmung durch die Plattformen: Taxis im Uber/Bolt-Netz
Der vielleicht cleverste Teil dieser Strategie? Uber und Bolt konkurrieren nicht mehr einfach mit Taxis – sie vereinnahmen sie. In fast jeder europäischen Stadt werben sie aktiv um Taxiunternehmen, damit diese sich ihren Plattformen anschließen, und bieten Zugang zu zusätzlicher Nachfrage, eine bessere Platzierung in der App und die Illusion einer Partnerschaft.
Diese Taktik ist unterschiedlich erfolgreich. In manchen Märkten haben sich Taxifahrer in der Hoffnung angeschlossen, verlorenes Volumen zurückzugewinnen. In anderen leisten Traditionalisten Widerstand, weil sie nicht ausgerechnet die Plattform stärken wollen, die ihr Geschäft auf den Kopf gestellt hat. So oder so ist die Wirkung dieselbe: tiefere Zersplitterung und weniger Verhandlungsmacht.
Das Trojanische Pferd der Generationen
Unter der strukturellen Zersplitterung liegt eine noch gefährlichere kulturelle. Die wachsende Kluft zwischen jüngeren und älteren Betreibern ist nicht nur eine Frage technischer Vorlieben; sie prägt das künftige politische Klima.
Jüngere Fahrer und Flottenbesitzer, die mit der App-Ökonomie aufgewachsen sind, sehen Uber und Bolt eher als normal, wenn nicht gar als unverzichtbar. Sie schätzen Flexibilität, Einfachheit und Zugang zur Nachfrage. Die ältere Generation erinnert sich an eine Zeit der Marktkontrolle, regulierter Preise und Markentreue.
Das ist nicht nur eine operative Kluft – es ist ein Lobbying-Problem.
Die jüngere Generation sitzt nicht nur am Steuer – sie zieht auch in politische Kreise, Stadträte und Verkehrsministerien ein. Es sind Digital Natives, die weit eher Geschäftsmodelle bevorzugen, die in den letzten 15 Jahren entstanden sind – Modelle, bei denen Uber Vorreiter war.
Diese generationelle Nähe ist Ubers wirksamste Lobbying-Strategie. Und ihre langfristigen Auswirkungen zeigen sich bereits.
Der eigentliche Gewinn ist verändertes Verhalten
Uber verändert nicht nur den Verkehr. Uber verändert Verhalten.
Wie Uber-CEO Dara Khosrowshahi kürzlich einräumte, machen in den USA immer weniger Teenager überhaupt noch einen Führerschein. Warum ein Auto besitzen oder überhaupt fahren können, wenn Mobilität immer nur einen Fingertipp entfernt ist?
Das ist nicht nur Disruption. Das ist ein kultureller Wandel mit regulatorischen Folgen. Denn künftige Gesetzgeber und Regulierer sind nicht nur Nutzer von Ride-Hailing; sie sind selbst ein Produkt davon.
Wenn Europas Taxi- und Mietwagenbranche nicht jetzt handelt, um ihre Relevanz zurückzugewinnen, riskiert sie, von genau der Generation wegreguliert zu werden, die sie nicht für sich gewinnen konnte.
Zersplitterung ermöglicht ausländische Kontrolle
Während lokale Betreiber debattieren und sich zersplittern, geschieht auf Eigentümerebene etwas Größeres.
FreeNow, einst Europas vielversprechendster heimischer Ride-Hailing-Anwärter, gehört heute Lyft, einem US-Techkonzern. Was eine abgestimmte europäische Alternative hätte sein können, ist stattdessen zu einem weiteren Vehikel für die Expansion amerikanischer Plattformen geworden. Dasselbe Muster zeigt sich anderswo: Uber hat Dantaxi übernommen, Dänemarks größtes Taxiunternehmen, während Bolt sich Viggo gesichert hat, ein dänisches grünes Taxi-Startup – die erste Übernahme in der Geschichte von Bolt.
Diese Schritte sind nicht bloß Markteintritte, sondern Machtkonsolidierungen: Sie absorbieren lokale Flotten und neutralisieren potenziellen Widerstand von innen.
Hier geht es nicht um Gefühle. Es geht um Kontrolle: über Daten, über Nutzer, über Margen und über politischen Einfluss. Die Zersplitterung unter den Betreibern schafft das Vakuum, und die Plattformen verlieren keine Zeit, es zu füllen.
Und all das geschieht in einem Markt, der jährlich um 10–15 % wächst.
Das muss man sich einmal vor Augen führen.
Vom Flickenteppich zum Schulterschluss
Und doch ist nicht alles verloren.
Das ERTA-Treffen hat nicht nur Schwachstellen offengelegt. Es hat auch verborgene Stärken sichtbar gemacht: operatives Know-how, vertrauenswürdige Netzwerke, lokale Einblicke. Das sind keine Relikte… das sind Hebel.
Die Herausforderung besteht nun darin, aus Zersplitterung einen Zusammenschluss zu machen. Das bedeutet koordiniertes Lobbying. Eine gemeinsame digitale Infrastruktur. Und vor allem eine geeinte Stimme über Generationen, Regionen und Geschäftsmodelle hinweg.
München ist eine Warnung, kein unabwendbares Schicksal.
Europas Taxi- und Mietwagenbetreiber müssen Uber und Bolt nicht nachahmen – sie müssen sie ausmanövrieren. Mit gemeinsamer Klarheit, politischer Strategie und einem modernen Produktangebot kann die etablierte Branche im Wettbewerb bestehen und gewinnen.
Die Branche wächst. Die Uhr tickt. Und das nächste Kapitel der urbanen Mobilität wird bald geschrieben.
Bleibt nur eine Frage: Wer hält den Stift?
Von Matthew Bezzina, CEO von eCabs Technologies
Dieser Beitrag ist eine Übersetzung des englischen Originals vom 6. Juni 2025. Englisches Original


